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Harte Aufklärungsarbeit

Geschrieben am 16. August 2007 | 33,786 views

Oder: “Warum ist das eigentlich so teuer?!”
Immer (immer) wieder sagen mir potentielle Kunden, ich sei “viel zu teuer” und der andere Konkurrent würde es “für ein zehntel des Preises” machen. Nehmen wir einmal das Beispiel einer Logoentwicklung.
Ein Logo ist für ein Firma das Erkennungszeichen und der erste Weg seiner Kundschaft Werte und Richtung zu vermitteln die man verkörpern möchte. Es wird einen jahrelang begleiten und auf allen Geschäftsunterlagen, Briefen, Visitenkarten, Flyern und natürlich der Homepage präsent sein.

Trotz all dieser wichtigen und hochrangigen Vorgaben sieht scheinbar für viele Kunden aus dem Mittelstand die Logoentwicklung etwa so aus:

logo creator

Das Grundproblem ist, das diese Leute nicht wissen/sehen/begreifen was da für Arbeit dahintersteckt bzw. kein Verständnis dafür haben. “Da muss man doch nur ein paar Knöpfe am Computer drücken, mehr ist das doch nicht?!?”
Aaron

business angel logoUm einen groben Einblick in die Entwicklung eines Logos zu ermöglichen, will ich hier versuchen das ganze anhand meines Arbeitsablaufen für das Business Angel Logo zu verdeutlichen.
Das Logo wurde von mir vor etwa einem Jahr für ein Unternehmen angefertigt das in Existenzgründer investiert. Einsatz finden soll es auf Homepage, Flyern oder auch T-Shirts.

Schritt 1: Das Vorgespräch

Der erste Schritt für jeden Auftrag ist in jedem Fall das Gespräch mit dem Auftraggeber. Der Designer muss genau wissen, was dem Kunden vorschwebt. Es muss abgeklärt werden, was das Logo ausdrücken soll, welche Zielgruppe erreicht werden soll und wo es eingesetzt wird.
Wenn z.B. das Logo nur im Internet eingesetzt werden soll, ist es nicht umbedingt notwendig es einfarbig anzulegen. Oftmals können auch einfach Missverständnisse des Auftraggebers ausgeräumt werden. Ist es gar kein Logo, sondern eine Illustration? Kann man das so überhaupt machen? Was brauche ich denn genau?

Schritt 2: Erste Ideen und Recherche

Nachdem man etwa weiss, worum es geht, beginnt die Ideenfindung. Da sich für Business Angel die direkt Umsetzung des “Engels” anbot, begann ich Material für Vorlagen zu sammeln.

Vorlagen

.. und fing an die ersten Entwürfe zu skizzieren, welche dann dem Kunden bei einer weiteren Besprechung vorgelegt wurden.

Vorlagen

Vorlagen

Schritt 3: Ausarbeitung eines Favoriten

entwurfDa der aufstrebene Engel mit dem Aktenkoffer uns am optimalsten für den Transport der Botschaft “Positiv, Ergeizig, Erfolgreich” erschien, begann ich diesen vorerst auf Pixelbasis auszubauen und es entstand eine Reihe weiterer Varianten des Motivs.
Am Schwierigsten erwies sich, die Form der Flügel dynamisch, aber doch halbwegs naturgetreu zu erfassen. Als Vorlage hierfür studierte ich einige Bilder von Seeadlern oder Tauben und frickelte einige Zeit an den Details der Federn herum.
Die Flügel durften nicht zu kleinteilig werden, damit sie für den Druck noch brauchbar sind, allerding auch nicht zu simpel, damit man sie noch identifizieren kann. Anstatt den Firmannamen komplett auszuschreiben, entschied ich mich dafür lediglich die Initialien zu verwenden und diesen den selben “Schwung” wie dem Engel zu verleihen.

Vorlagen

Vorlagen

Schritt 4: Vektorisierung

Bislang besteht das Logo nur aus Pixeln, also begrenzten Bildpunkten. Damit es beleibig skalierbar und optimal für den Druck einsetzbar ist, muss es vektorisiert werden. Das heisst soviel wie, die ganze Grafik mit Kurven, Koordinaten und Formeln nachzubauen, so dass der Rechner praktisch eine Wegbeschreibung zum erstellen des Bildes erhält.
In diesem Zuge wird ausserdem das ganze Bild noch einmal “gesäubert” und “aufgeräumt”.
So entsteht erst ein professioneller hochwertiger Eindruck und das Logo ist unendlich skalierbar.

Vorlagen

Schritt 5: Feintuning und Finishing

Die schwersten Schritte sind absolviert, nun geht es um die Feinarbeit. Den exakten Farbton, genaue Ausrichtung des Schriftzuges usw.
Für den Engel wurde eine kleine Farbauswahl erstellt. Zum Vergleich:

Vorlagen

Schritt 6: Dateioptimierung und Abgabe

Wenn alles abgeschlossen ist, gilt es die Dateien zur Verwendung zu erstellen. Zum einen benötigt z.B. der Webdesigner mehrere Formate des Motivs, als JPG oder PNG. Mit oder ohne Transparenz.
Auf der anderen Seit müssen auch für den Printbereich die passenden Daten zur Verfügung gestellt werden.
Also hochauflösende Tif-Dateien und Vektorgrafiken zB. im EPS Format.

Damit das Logo auch auf jedem Untergrund eingesetzt werden kann und auch in Graustufen oder Schwarzweiss habe ich drei Basisversionen angelegt:

Vorlagen

Schlusswort:

Bei diesem Logo handelte es sich praktisch noch um einen “einfachen” Fall, da die Grundidee und das Motiv relativ früh feststanden und dennoch war es ein erheblicher Aufwand, der sich nicht über “Knöpchendrücken” abwickeln lässt. Ich hoffe mit diesem Artikel etwas zur Aufklärung des Aufwandes für ein Logo beigetragen habe und vielelicht auch ein paar Zweifler dazu ermutigen, sich ihr Logo nicht in Word “zusammenklicken” zu lassen.

Das Logo ist das Aushängeschild und beeinflusst die Kunden subjektiv sowie objektiv. Somit beeinflusst das Logo zu erheblichen Teil den Erfolg und das Image eines Unternehmens.
Wer hier spart, spart am falschen Ende oder um einen meiner Pagebesucher zu zitieren:

“Wer mit Peanuts bezahlt, wird von Affen bedient…”

In Zukunft werde ich Auftraggeber die von mir ein Billiglogo für 30€ erwarten auf diesen Beitrag verweisen.

Über ergänzende Kommentare und Ideen freue ich mich natürlich.

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