Die Allianz der Toaster

Geschrieben am 22. Februar 2007 | 2,060 × gelesen

Aliianz der ToasterHatte ich mich noch letzte Woche über das Missgeschick meines Codemeisters Pepe amüsiert, der fortan als “Web-Disigner” durchs Land laufen muss, wurde ich nun selbst “geowned” wie man so schön sagt - von der Allianz.
Nein, das bezieht sich jetzt nicht auf irgendein World of Warcraft Intermezzo, sondern auf den Erwerb erwähnter CD mit dem “AGD Vergütungstarif Design“.
In freudiger Erwartung eines komplexen Lohnberechnungsapparates der mir zukünftig bei meinen Rechnungen unter die Arme greifen sollte, schob ich die Silberscheibe in meinen Rechner. Die Oberfläche der Software gab mir sofort sentimentale Schübe und ich fühlte mich zurückversetzt in die Zeit, als ich noch im Informatikkurs auf dem Gymnasium saß und in Delphi “Hallo Welt” - Programme erstellen musste. Das Aussehen der Oberfläche ist jedoch nicht Inhalt meines Interesses, also schnell mal ein paar Kalkulationen durchgeklickt. Was soll ich sagen? Scheinbar hält die Allianz deutscher Designer ihre eigenen Brüder im Geiste für Idioten. Über die Berechnungen und die Preise die das Programm mir liefert mache ich hier lieber keine Angaben. Scheinbar scheint der offizielle Stundenlohn für Designer auch geheim zu sein und ich würde arge rechtliche Probleme bekommen wenn ich hier ohne Schutzgebühr was ausplaudern würde, sonst hätte ich nicht 30 € für diese CD gezahlt.
Ich möchte hier lieber ganz zusammenhangslos von einer meiner genialen Geschäftsideen erzählen. Also ich werde ganz groß in die Toasterbranche einsteigen, als Designer und Produzent. Das gerät wird natürlich kein normaler Toaster sein, denn ich nenne ihn “Extrem Toaster Professional!” (Das Ausrufezeichen ist wichtig für die Dramatik). Dieser Toaster wird 20 € kosten und meine Reseller können sich die Dinger in verschiedenen Stückzahlen bei mir bestellen. Natürlich gib’s zu dem Toaster dann auch noch Werbematerial. Klar, bin ja immerhin Designer. Pappaufsteller mit mir in sexy Unterwäsche, wie ich grad einen metallicroten Toaster über einen Flokati schiebe kostet z.B. 50 €. Dann bringe ich für die Reseller einen Katalog raus, aus dem sie die Marketingprodukte und natürlich den Toaster selbst ordern können. Allerdings werde ich den Toaster in 100 verschiedenen Farbtönen herstellen und jeder Farbton bekommt eine Seite im Katalog auf der die Preise für verschiedene Stückzahlen aufgeführt sind plus Werbematerial. Ich denke das ganze wird dann etwa so aussehen:

Mein Suptertoaster

Da ich meinen Resellern diese Unmengen an Information biete, wird der Hochglanzkatalog mit golden geprägten Glitzerschriftzug und einzeln von Kinderhänden vorgeblätterten Seiten natürlich etwas teurer. Was höre ich da aus der letzte Reihe? Unsinn? Betrug? Nein sage ich, das ist Kunst!

Gutes Stichwort eigentlich. Wenn die Allianz des Bösen der deutschen Designer mir schon sooooviel Material mitschickt, sollte ich da doch auch mal reingucken.
Viele bunte Broschüren mit bedeutungsschwangeren Phrasen wie “Schnapp dir deinen Marktanteil” oder “Foulspiel am Urheber!” (Da ist wieder das wichtige Ausrufezeichen!) mischen sich mit diversen Dokumenten. Scheinbar auch ein paar Mitgliedsschaft-Antragsformulare (zumindest haben die Leute da Humor). Wie auch immer, es ist wohl allgemeinhin bekannt, dass Designer zum melodramatischen Rumgeheule neigen und immer die anderen Schuld sind, daher gehe ich jetzt mal nicht auf den Inhalt ein. Was viel mehr meine Aufmerksamkeit erregt hat, sind die geradezu genialen Zitate von Mitgliedern oder Prevesionälen die sich unter anderem in der Mitgliedszeitschrift finden. Wer denkt es ist das Steckenpferd der Politiker inhaltloses Zeug zu erzählen, der lasse sich hier eines Besseren belehren. Film ab:

“Wir verändern unsere Gesellschaft immer.
Ob wir es nun wollen oder nicht.
Ob wir es erkennen oder nicht.
Ob es uns egal ist oder nicht - wir tun es…”

Hans-Horst Möbes

Yeah! Let’s do it Baby! Du tust es. Wir tun es. Horst tut es.
Ich glaube ähnliche Dinge habe ich in der 8. Klasse auch in Philosophieaufsätze geschrieben, wenn ich noch dringend ein paar Wörter brauchte. In der Broschüre “Schnapp dir deinen Marktanteil” die scheinbar Seminare für frustrierte Designer anbietet noch mehr unverzichtbare Weisheiten:

“Das wichtigste beim Telefonat ist nicht der Besuchstermin, sondern der Kontaktaufbau.”

Klar, wenn der andere nichtmal an’s Telefon geht, wird das mit dem Besuchstermin auch schwer höhö. Nein ernsthaft, sowas sollte sich doch jeder halbwegs den aufrechten Gang beherschender Mensch selbst denken können oder? Weitere Tipps in der Reihe wären wohl: “Sei nett zu deinen Kunden.” , “Spuck deinem Chef nicht ins Gesicht, wenn er dich nicht darum bittet.”

“Nur wer auf allen Kanälen senden kann, kann auch von allen Empfängern verstanden werden.”
Andreas Bornhäusser

Und was mache ich, wenn mein Empfänger einen anderen Regionalcode hat?
Und warum ist in der Broschüre unter dem Zitat eine Gruppe von Menschen abgebildet die Kronkorken mit Magnetlöffeln vom Boden aufsammelt?

Fragen über Fragen. Falls noch ein Philosophiestudent Material für seine Diplomarbeit benötigt, stelle ich die Dokumente gerne zur Verfügung.

1 Kommentar »

  1. Muig, das war eine gute “Empfelung”, könnte ich das auch haben? Ohne das Geld zu bezahlen, natürlich :)

    Kommentar von buterissimo — 22. Februar 2007 @ 20:49

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