Microsoft’s Klonkriege

Geschrieben am 16. April 2007 | 1,055 × gelesen

Nachdem Microsoft schon in Sachen Betriebsystem mit Innovation und neuen Ideen gepunktet hat und sein neues Vista kaum vom aktuellen Mac OS zu unterscheiden ist, lehnt sich Bills Gruppe nun offenbar noch etwas weiter aus dem Fenster und versucht auch im Grafikbereich neu Fuß zu fassen.
Auf ihrer Microsoft Expression Studio Roadshow soll man sich nun im Mai und April die neue Grafikprogrammreihe von Big M Bestaunen können.

Nun, ohne hier kleinkariert zu werden möchte ich mal einen Kurzen Vergleich zwischen Adobe’s Creative Suite 3 und Microsofts angekündigtem Expression Studio wagen…
microsoft expressionBegrüßt werden wir auf der Expression Studio Seite mit dieser Grafik die die Logos der vier Programme im Paket vorstellt. Wer jetzt denkt ich wäre etwas geizig mit der JPEG-Komprimierung gewesen, dem soll gesagt sein, dass Microsoft selbst beschlossen hat ihre Grafik auf 4,9 KB zu schrumpfen. Sicherlich ein hervorragender Schachzug um professionelle Bildbearbeitung zu bewerben. Der Glasseffekt ist natürlich nicht mehr wegzudenken.

compair
Die Sets der beiden Konkurrenten treten im klassischen Quartett gegeneinander an. Das Expression Studio erscheint ganz im Stil der neuen Microsoft Sofwareboxen mit abgerundeter Ecke.

Aus den meisten Produkten aus der Expression Suite werde ich nicht recht schlau, zum Beispiel verstehe ich nicht wozu “Expression Blend” gut sein soll. Auf der Homepage werden die Funktionen folgendermaßen umschrieben:

“Kombinieren Sie Videos, Vektorgrafiken, hochauflösende Schriften, Animationen, Bitmaps und 3D-Elemente mit interaktiven Controls, um einmalige multimediale Anwendungen und Benutzeroberflächen zu gestalten.”

Klickt man sich etwas weiter durch die unübersichtliche Infoaufteilung, kommt man irgendwann zum Schluss, dass es sich scheinbar um eine Art Dreamweaver handelt bei dem Man per Drag&Drop fertige Klickibunti-Inhalte zusammenziehen kann. Inwiefern das ganze dann Kompatibel zu Standards wie Flash, PDF, SVG und PNGs sein wird, steht in den Sternen. Wenn meine Befürchtungen eintreten wird Microsoft wohl ausgiebig auf die hauseigenen Formate setzen und uns stehen Seiten mit riesigen WMV-Intros bevor die sich ausschließlich nur noch im aktuellsten Internet Explorer öffnen lassen und andere Browser einfach verbieten.

Check: Expression Design
Richten wir unser Augenmerk lieber auf das “Expression Design“. Ein offenbar vektobasiertes Grafiktool des Expression Studios, das in Konkurrenz zu Adobe’s Illustrator treten soll. Zuerst einmal fällt mir auf, dass ich keinen Link zum Download der Trialversion finde, da sich der Link winzig klein im riesigen Beschreibungstext befindet und ein einfacher “Hier downloaden” - Button fehlt. Nachdem man sich durch mehrere Registrationsaufforderungen geklickt hat und versucht die Software zu installieren erhält man natürlich erstmal eine Fehlermeldung:

fehler
Es wäre ja auch zu einfach gewesen, eine einfache Grafiksoftware ohne ein Update des .NET Frameworks zum laufen zu kriegen.

Oberfläche und Bedienbarkeit
schnarchDer Download und erst recht die Installation sollen Scheinbar die Spannung auf das Programm erhöhen, indem sie Unmengen an Zeit in Anspruch. (Ja, ich habe das Bild in der Wartezeit gekritzelt)
Daherkommen tut das fertige Programm in einem dezenten Schwarz. Die Tools sind für Illustrator oder Freehand erfahrene User sofort zugänglich und auch die Shortcuts verhalten sich ähnliche. Einen Pluspunkt gibt es für den einfachen Colorpicker oben rechts, den ich seitdem ich von Paintshop Pro umgestiegen bin vermisse. Die Menu’s und Optionsfelder sind zwar nett gemacht, aber doch etwas zu kindisch für Fortgeschrittene. So sind exakte Eingaben über den Schieberegler kaum Möglich und Felder klappen wegen überflüssiger Effekte verlangsamt auf.
Formattechnisch ist Expression Design schon recht fit, unterstützt jedoch keine Illustrator Dateien und rastert JPG oder PSD Dateien schon mal gerne willkürlich skaliert. Auch der Import von EPS Dateien ist mir nicht gelungen, was ich als ein großes Manko empfinde und zuletzt erst bei Corel Draw erlebt habe.

fehler

Nachdem ich etwas herumgespielt uns ausprobiert habe, kann ich ein paar Für und Gegen aufstellen, die mir zuerst aufgefallen sind:

Pro:

  • Einfache, schnell erschließbare Programmoberfläche
  • Praktischer Colorpicker
  • Einfache Bedienung
  • Kann PSD Dateien öffnen
  • Kann PDF Dateien schreiben
  • Contra:

  • Zuwenig Programmumfang, zuwenig Optionen
  • Zu langsame Bedienfelder
  • Zu ungenaue, umständliche Werteeingabe
  • Liest keine Illustrator Dateien
  • Liest keine EPS Daten
  • Verlangt .Net Framework 3
  • Fazit:

    Microsoft Expression Design ist nettes Einsteigerprogramm. Da es sich allerdings nicht einzeln kaufen lässt, muss man dafür wohl 599 US-Dollar hinlegen und sich das ganze “Expression Studio” zulegen. Das ist definitiv zu teuer, für ein Einsteigervectorprogramm.
    Lieber gleich Adobe Illustrator kaufen für ca. 850 € (Studentenlizenz ca.150 €) und dafür ein Profiprogramm benutzen, oder alternativ für Einsteiger OpenSource Projekt Inkscape kostenlos laden.

    Falls euch dazu noch etwas in den Sinn kommt nur her damit…

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