Gregory Crewdson

Ein kleiner Text über den Meister des Single-Frame-Movies

Würde man versuchen Freuds Aufsatz über das Unheimliche zu illustrieren, käme vermutlich das Gesamtwerk Crewdsons heraus. In sechs großen Werkgruppen erzeugt dieser eine seltsame und verdichtete Vorstadtatmosphäre die teils stark an Werke David Lynchs, Hitchcock oder Steven Spielberg erinnern. Nur, dass all dieses nicht in bewegten Bildern, sondern in jeweils nur einem einzigen Foto geschieht.
Crewdson ist ein Meister der inszenierten Fotografie und so ist es kein Wunder, dass nicht nur seine Bilder aussehen wie Momentaufnahmen aus einem Mysterythriller, sondern auch seine Sets eher an Drehorte von Hollywoodblockbustern als an Fotosessions erinnern.

Zur Person
Crewdson wurde 1962 in New York geboren und studierte an der Yale Universität Fotografie, wo er auch seinen Abschluss als Master Of Fine Arts absolvierte.
Sein Vater war Psychoanalytiker, was vermutlich der Fixierung der Fotos auf das Unterbewusste und geheime Ängste nicht grade abträglich war. Wenn man Crewdson glauben mag, lauschte er sogar heimlich durch die Decke den Patientengesprächen seines Vaters.
Aktuell ist Crewdson einer der bedeutendsten Lehrer an der Yale School Of Art in New Haven.

Werke
Für den ersten Block seiner Arbeiten (1986 - 1988) und gleichzeitig seine Abschlussarbeit suchte sich Crewdson einfache Menschen und fragte sie, ob er in ihren Privathäusern Fotos machen dürfte. Es entstand eine Reihe aus Stillleben und Portraits der spießigen und schrulligen suburbanen Wohnlandschaften und eigenartig verschlossenen Protagonisten.
Erst mit seiner zweiten Serie “Natural Wonder” hob sich Crewdson meiner Meinung nach erst aus der Masse ab und begann seine Arbeiten erkenntlich “eigenartig” zu gestalten.
Angelehnt an Dioramen aus Naturkundemuseen erstellte Crewdson Studiosets mit präparierten Vögeln und Kleintieren die scheinbar eigene Rituale und Gesetze verfolgen. Angelehnt an den auch von Freud angesprochenen Animismus wird hier die Natur zum Unfassbaren, Fremdlichen das hinterm Gartenzaun seine okkulten Rituale abhält. Bezeichnend für diese Serie ist das Foto der um einen Eierkreis versammelten Vögel:

Teilweise umfasst “Natural Wonder” auch recht morbide Motive in denen unter anderem Körperteile des Fotografen nachgebildet und entfremdet wurden. Nicht sehr appetitlich aber schön schaurig.

1996 kehrt Crewdson mit “Hover” dann vorerst nur in schwarzweiss der Vorstadtfotografie zurück und macht “schwebend” von einem Kran aus seltsame Szenen von Grassoden auslegenden Bürgern und Erdkreisen in Vorgärten. Sozusagen eine Aufwärmübung für die folgenden Serien.

Ab 1996 begibt sich Crewdson dann auf die Spuren großer Hollywoodfilme und treibt mit den Serien “Twilight”, “Dream House” (2002) und “Beneath the Roses” (2005) die Perfektion und somit den Aufwand seiner Fotos auf die Spitze.
Durch die Sorgfältige Inszenierung und die Ikonographie seiner Fotografien kann sich der Betrachter praktisch seinen eigenen Thriller ausmalen. Durch diese hohe Verdichtung erhält jedes Foto die narrative Breite eines ganzen Films. Es wird zu einem “Single Frame Movie”.

Crewdson nimmt von jeder seiner konstruierten Szenen nur jeweils ein einziges Bild, das aus mehreren Negativen in der Postproduction zusammengesetzt wird um den hohen Grad an Details zu erhalten.
Für diese Anforderungen würde sich zwar auch HDR anbieten, doch laut Crewdson arbeitet er mit einem anderen Verfahren, um die Negative zusammenzusetzen.

Für seine Serie “Dreamhouse” kauft sich der Künstler übrigens nicht nur ein komplettes Haus inklusive Inneneinrichtung, sondern heuerte auch ein paar berühmte Schauspieler an.
Durch die bekannten Gesichter gewann diese Serie nochmals an Tiefe.

Schauspieler: William H. Macy

Wer jetzt Lust auf mehr bekommen hat, der sollte mal einen Blick ins Aperture Magazine werfen oder sich einen Bildband
besorgen.

3 Kommentare zu diesem Beitrag

vany

13. September 2009 um 19:02 Uhr Permalink zu diesem Beitrag Diesen Beitrag zitieren

er ist wirklich begabt

Diesen Beitrag zitieren

  (Quote)

Sahiba

26. September 2015 um 11:28 Uhr Permalink zu diesem Beitrag Diesen Beitrag zitieren

Having now watched this work from dticeror Ben Shapiro, giving us an insight into one of Americas foremost stills photographers; Gregory Crewdson. I cannot help but compare his work to the late O. Winston Link who shot mostly the steam locomotives and their respective Norfolk line. The photographs are in similie with each other, of course O. Winston Link shot mainly in low conditions to create a dramatic effect with the steam billowing out from a steam locomotive. Crewdson has developed a similar style but I found it ironic that he shot up to fifty plates only to be post edited in photoshop! Why?What is the point of shooting all those scenes for them to be edited in such a fashion; a waste of resources. He doesn’t even take the photograph, it’s the dticeror of photography who actually shoots the frame. Yes I wholly agree the photographs are epic, but never the less, I could have shot that using less resources and natural light.

Diesen Beitrag zitieren

  (Quote)

Schreibe einen Kommentar

Willkommen

Hayungs.de ist die Internetpräsenz von Christian Hayungs, freier Illustrator und Designer aus Hamburg. Interessierte können sich in meiner Galerie umsehen oder mich kontaktieren.

Follow Hayungs @ Twitter

Zufälliger Beitrag

Tagcloud

Allgemein Cartoon Design Film Fine Art Foto Gallery Geschäftlich HowTo Illustration Komisch Konzept Leben Logodesign Musik Personen Politik Scribbles Sehenswert Sketches Sonstiges Technik Tools Trash Web Webdesign

Pro Piraten!